Der landwirtschaftliche Unternehmer (Leseprobe)

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    7. Kapitel

    Volkswirtschaftslehre

    7.1 Wirtschaftssektoren

    Wirtschaftssektoren.

    Die Wirtschaft lässt sich in bestimmte Sektoren untergliedern, die charakteristische Aufgabenstellungen zu bewältigen haben.

    Grundbewirtschaftung

    Dieser Wirtschaftssektor ist darauf angewiesen, mit örtlichen Gegebenheiten vertraut zu sein und aus der Nutzung derselben unter hohem persönlichen Einsatz einen Mehrwert zu erschaffen.

    Fertigung

    Die primäre Herausforderung der Fertigung liegt in der Logistik von Waren und Arbeitskräften.

    Dienstleistung

    Die Dienstleistung beruht auf der Ausnutzung von Unselbständigkeit.

    Die ersten drei Sektoren können auch als produzierende Sektoren verstanden werden.

    Intermediäre

    Intermediäre entscheiden und rechtfertigen, wer was zu leisten und wer was zu bekommen hat. Sie sind darum bemüht, die Produzenten- und Konsumentenbeteiligung aufrecht zu erhalten.

    Alle Wirtschaftsteilnehmer der beschriebenen Sektoren sind darauf angewiesen, Geschäftspläne aufzustellen, sich also zu überlegen, wie sie mit Aufschlag weiterverrechnen können, zu wissen, wie viel sie zu welchem Preis erzeugen können und wie viel der Markt zu welchem Preis abnimmt. Außerdem sind sie bestrebt, diese Umstände zu ihren Gunsten zu beeinflussen und im Fall einer erfolglosen Tätigkeit, schadlos aus ihren Geschäften aussteigen zu können.

    Daneben sind alle Wirtschaftsteilnehmer davon abhängig, erfolgreiches Marketing zu betreiben, also an der Herstellung, Begründung und Erhaltung von Aus45 von 68 tauschbeziehungen zu arbeiten. Dafür sind sie auf Beziehungen zu Personen mit Bindung, Nachfrage und Kaufkraft angewiesen. Außerdem müssen sie für jene, die mit ihnen zusammenarbeiten, Motivation stiften, indem sie Aneignungs- und Befreiungsprozesse mitmachen lassen.

    Neben diesen besonderen und allgemeinen Herausforderungen der Sektoren ist ihr Gedeihen nicht zuletzt von der Aufrechterhaltung der Geld- und Wirtschaftsordnung und von einer allgemein günstigen Wirtschaftskonjunktur abhängig, wie in den nachfolgenden Ausführungen gezeigt werden soll.

    7.2 Kredit und Geldwert

    7.2.1 Was ist Geld?

    Wie entsteht heutzutage Geld?

    Es entsteht, indem mit der entsprechenden Zulassung bei der staatlichen GeldPfand-Leihe, die institutionell als Zentralbank auftritt, Wertpapiere hinterlegt und im Gegenzug Geldmittel in Empfang genommen werden.

    Der kreditfinanzierten Kaufkraft in der Gegenwart muss dabei ein künftig durchsetzbarer Konsumsparzwang gegenüber gestellt werden; so kann der Kreditnehmer das Geld, mit dem er die Raten zurückzahlen muss, nicht ausgeben.

    Wesentlich ist dabei das Erfordernis der Beibringung von Wertpapieren oder anderer Sicherheiten.

    Erst die Pfandbesicherung (vgl. Fußnote 1) gewährleistet die Einhaltung des künftigen Sparzwangs.

    Auch der Staat veranlasst die Bürger durch Steuern zum Zwangssparen, nachdem er vorher mit Anleihen aufgenommenes Geld ausgegeben hat.

    Staatsanleihen sind in diesem Sinn als verbriefte und verpfändbare Besteuerungsrechte zu verstehen, ähnlich den mit Rückzahlungen verbundenen Hypothekardarlehen, für deren Bedienung in der Regel Liegenschaften haften.

    (Fußnote 1:
    Tatsächlich wird regelmäßig nicht mit Pfändern, sondern mit Rückkauf- und Rückverkaufsrechten operiert, die eine wirtschaftliche Wirkung wie ein Pfand aufweisen. Auch das Recht, Geld von einem Konto abzuheben, auf das vorher Geld eingezahlt worden ist, ist im Übrigen einem Rückverkaufsrecht gleichzuhalten. Man verkauft die Forderung aus dem Sparguthaben an die Bank zurück und erhält im Gegenzug Geld.)

    Zusammenfassend lässt sich festhalten:

    Geld entsteht als Schuld. Wer Geld nicht schuldet, sondern besitzt, verfügt über den geronnenen Sparzwang seiner hoffentlich produzierenden Mitbürger.

    Der größte Schuldner einer Zentralbank ist regelmäßig der Staat. Es lohnt sich also, seine Rolle näher zu untersuchen:

    Den Schatz, den der Staat für die nachhaltige Form der Geldleihe verbriefen und verpfänden kann, ist im Wesentlichen das künftige Steueraufkommen seiner Bürger. (Zum Staatsschatz sind daneben auch alle Rohstoffvorräte im Einflussbereich des Staates zu zählen, auf die er in irgendeiner Form Zuschläge verrechnen kann.)

    Die Staatspapiere sind solange eine taugliche Währungsdeckung, solange das Finanzministerium in der Lage ist, ein ausreichend großes Steueraufkommen einzuheben. Die Besteuerungskraft ist allerdings ab einer gewissen Steuerbelastung bedroht.

    Die Sparsamkeit des Staates ist daher ein entscheidendes Kriterium für die Wertstabilität des Geldes.

    Die Ehrlichkeit des Bankwesens spielt für die Werterhaltung des Geldes ebenfalls eine entscheidende Rolle.

    Wird Geld unbesichert oder schlecht besichert durch Verleihung geschaffen, führt dies bei nicht erfolgter Kreditbedienung zur Verwässerung des Geldes. Die Verleihung von Geld gegen Pfänder, die keine geldmengenreduzierende Wirkung haben, zB gegen Phantasiewertpapiere, heizt die Inflation an, am Anfang häufig nur die Vermögenspreisinflation.

    Der Anstieg der Vermögenspreise bewirkt, dass die Produzenten in Vermögenskaufkraft immer schlechter bezahlt werden. Dementsprechend kommt es zu Produktivitätsrückgängen. Alle werden ärmer, sei es in Form einer allgemeinen Güterpreisinflation oder in Form einer Deflation, die durch einen Konjunktureinbruch ausgelöst wird.

    Zugegebenermaßen ist es häufig schlicht ungewiss, ob das Ergebnis einer Kreditoperation ein Kredit oder eine geldmengenverwässernde Beihilfe sein wird.

    Auch ausländische Zentralbanken stützen durch Einlagen in Form von Währungs-Tausch-Geschäften eine fremde Währung im Interesse ihrer eigenen Handels-Teilnehmer, sofern die langfristige Inflation des Partners unter dessen langfristigem Wachstum liegt.

    7.2.2 Geldschöpfung

    Beispiele für fraktionales Reserve-Verfahren:

    Ein Staat begibt 1.000 € Staatspapiere an die Zentralbank (ob direkt oder über Zwischenhändler ist im Grunde unerheblich). Die Zentralbank nimmt das Staatspapier in die Aktivseite ihrer Bilanz auf und erschafft 1.000 € Reserven auf der Passivseite (Geld). Der Staat überweist die 1.000 € – für eine über die Sozialversicherung abgerechnete Krankenbehandlung – auf das Konto eines Arztes bei der Geschäftsbank A.

    Im Ergebnis entstehen:

    – eine Reserve von 1.000 € auf der Aktivseite der Bilanz der Geschäftsbank A und

    – eine 1.000 € Einlage des Arztes auf der Passivseite von Geschäftsbank A (ein Rückverkaufsrecht des Kunden mit der Rückkaufpflicht der Bank).

    Die Geschäftsbank A vergibt daraufhin für 900 € einen besicherten Kredit an einen Apotheker, der einen Medikamentenvorrat anschaffen möchte, und überweist das Geld auf dessen Konto bei der Geschäftsbank B. Auf Grund der ReserveRegel, der zufolge 10 % der Einlagen nicht als Kredit vergeben werden dürfen, wäre eine Kreditvergabe in Höhe von 1.000 € nicht zulässig.

    Die Geschäftsbank A hat

    – auf der Aktivseite 900 € Kreditforderungen und 100 € Reserven und

    – auf der Passivseite 1.000 € Einlagen des Arztes.

    Würde der Arzt seine 1.000 € abheben wollen, würde die Geschäftsbank A dafür die 100 € Reserven heranziehen und die 900 € Kreditforderung an die Zentralbank für Reserven verkaufen, um die 1.000 € aufzubringen.

    Die Geschäftsbank B

    – hat 900 € Reserven auf der Aktivseite und

    – 900 € Einlagen auf der Passivseite.

    Bei der Wiederholung dieses Vorgangs „Einlage und Kreditverlage“ (zB ein Medikamentenhersteller braucht für Arzneistoffe einen Kredit von 800 € usw.) können aus 1.000 € Staatspapieren unter der Annahme des Reserve-Satzes von 10 % 10.000 € Einlagen und dem entsprechend 10.000 € Reserven entstehen; die Reserven können in Geld-Stücke konvertiert werden.

    Die Banken sind aber auch ohne Zentralbanken in der Lage, Kredit und Geld zu schöpfen, wie das nachfolgende Beispiel zeigt: Die Geschäftsbank A hat keine Einlagen, hält aber akzeptierte Zahlungsmittel von 1.000 auf der Aktivseite und 1.000 aus einem Finanzierungskredit auf der Passivseite. Die Geschäftsbank begibt Kredit von 1.000 und überweist im Auftrag des Kunden 1.000 auf ein Konto bei einer anderen Geschäftsbank. Auf der Aktivseite besteht eine Kreditforderung (die durch Verzinsung auch Profite verspricht) und auf der Passivseite besteht eine Verbindlichkeit über 1.000 (Finanzierungskredit, der günstiger ist, als der Kundenkredit).

    Der Nachteil dieser Geschäftsart liegt darin, dass die Konditionen des Finanzierungskredits weniger vorhersehbar und beeinflussbar sind als im Fall einer Kapitalbeschaffung über die Zentralbank, insbesondere wenn die Laufzeit des günstigen Finanzierungskredits kürzer als die Laufzeit des begebenen Kredits ist, sodass die Bank während der Ausleihung das eigene Kapital refinanzieren muss.

    7.3 Währungskrisen

    7.3.1 Die Rolle der Zentralbank

    Um die Geschichte der Währungskrisen zu verstehen, muss man sich näher mit den Aufgaben der Hüter der Währungen auseinandersetzen. Was zählt zu den Aufgaben einer Zentralbank? Eine Zentralbank soll den Wirtschaftsteilnehmern Hoffnung und Sicherheit vermitteln. Dafür hat sie eine besondere Befugnis. Sie darf ihre eigenen Verbindlichkeiten in Form von Währungseinheiten bzw. Geld erschaffen, muss diese Verbindlichkeiten aber mit Aktiva ausgleichen. Dabei ist sie zeitweise stark fremdbestimmt, da die Finanzierungs- und Einlagewünsche von Finanzmarktteilnehmern das Anschwellen der Verbindlichkeiten bzw. der Aktiva des Vermögens bestimmen.

    Bei flauer Wirtschaft wird Geld über Rückverkaufverträge auf der Passivsseite der Zentralbankbilanz geparkt. Zwangsläufig müssen auf der Aktivseite die Nominalwerte der Anleihen (durch Zinssenkungen) oder anderer gehaltenen Anlagen aufgewertet werden. Die Herausforderung für die Zentralbank besteht darin, dass sie auf die Handelbarkeit ihrer Verbindlichkeiten angewiesen ist und dass sie werthaltige Anlagen nutzen bzw. in der Bilanz halten muss und auch auf die Handelbarkeit dieser Anlagen angewiesen ist.

    7.3.2 Historische Beispiele

    Daraus ergibt sich die Unannehmlichkeit, dass die Kreditnehmer der Zentralbank, deren in Zentralbankgeld bedienbare Wertpapiere sie hält, ein Interesse am hyperinflationären Untergang der Zentralbank haben, wie das Beispiel von John Law, dem Erfinder des modernen Papiergeldes zeigt. Er wurde im Jahr 1715 (im Todesjahr Ludwigs XIV.) zum Chef der Banque Générale in Paris ernannt. Sie spielte eine wesentliche Rolle bei der Entschuldung der französischen Krone. Allerdings auf Kosten der Bürger. Der Kreditnehmer war in diesem Fall der französische Staat, der dafür sorgte, dass seine Gläubiger ihre Forderungen in Beteiligungen an Handelskompanien (Mississippi-Kompanie) und an einer mit diesen verbundenen Bank konvertierten, indem ein günstiges Profitumfeld in Aussicht gestellt wurde, unter anderem durch die Vorspiegelung grenzenloser überseeischer Expansion.

    Die Wertpapiere wurden als Beteiligungsrechte an diesen künftigen Wirtschaftsexpansions-Projekten beworben und ihre Kurse wurden künstlich in die Höhe getrieben. Die Profite aus dem Überseehandel schienen verlockend; Monopole und Konzessionen durch die Krone stifteten zusätzliches Vertrauen. Die Kompanien erwarben aber neben den Konzessionen vor allem die Schulden der französischen Krone. Als sich die Konzessionen als wirtschaftlich wertlos herausstellten, waren die Anleger ruiniert und die Krone war entschuldet. Hätten die Gläubiger ihre Forderungen gegen die Krone nicht in Wertpapier-Forderungen getauscht, dann wäre ihr Vermögen nicht verloren gegangen. Der Staat stiftete also Vertrau50 von 68 en in seine Institution und verleitete zum Halten von deren Wertpapieren, indem er phantastische wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten in Aussicht stellte. Er hätte unter Umständen auch einfach die Steuern erhöhen können, was allerdings kurz- bis mittelfristig die wirtschaftliche Entwicklung gebremst hätte.

    Zum John-Law-Fall ist zu ergänzen, dass der Staat nicht nur die Gier und die Unternehmungslust der Leute anstachelte, sondern auch sanften Druck walten ließ, indem er zB dafür sorgte, dass alternative Anlagen weniger attraktiv gemacht wurden.

    Der Staat nutzt den Leichtsinn und die Gutgläubigkeit der Bürger gerne aus. Er ist aber nicht darauf angewiesen. Er kann auch Verkehrsbeschränkungen verordnen. Heute würde man eher den Schwerpunkt darauf legen, dass gewisse Lebensversicherungen bzw. Sozialversicherungsbeiträge verpflichtend in Staatsanleihen anzulegen sind.

    Die französische Wirtschaft hätte auf die Verwendung eines Kredit-Geldes verzichten können, was dann auch tatsächlich geschah. Frankreich kehrte zu einem Gold-Standard zurück, der Kreditexpansionen nicht vorsah, damit aber auch eine dynamische Entwicklung der Wirtschaft behinderte bzw. nicht im selben Maß unterstützte.

    Das Vertrauen in geldgleiche Wertpapiere war nach dem Platzen der MississippiBlase für Jahrzehnte verloren gegangen. Zum Schaden für die französische Volkswirtschaft.

    Ein weiterer bedrohlicher Vorfall für die Stabilität des Kredit- und Währungssystems ereignete sich 1929 in den USA im Zuge des Börsenkrachs, der als Schwarzer Freitag in die Geschichte eingegangen ist.

    Nachdem viele Banken in Konkurs gegangen waren, war eine Flucht der amerikanischen Bevölkerung aus Bank-Einlagen zu befürchten. Dies hätte dann auch die Zentralbank und das Geldsystem als Ganzes in Schwierigkeiten gebracht. Vor diesem Hintergrund ist zu verstehen, warum Präsident Roosevelt ein GoldHalteverbot für die Bürger erließ. Roosevelt, der vor hatte, durch den New Deal die Staatsausgaben erheblich zu steigern, hätte seine Pläne möglicherweise nicht realisieren können, ohne den Geldwert zu destabilisieren, wenn die Anleger die Wahl gehabt hätten, ihre Guthaben nicht nur in Kredit-Geld zu halten, son51 von 68 dern es in anderen Anlage-Klassen wie zB Edelmetallen zu parken. Der New Deal hatte folglich keine wesentlichen negativen inflationären Folgen, was aber auch damit zusammenhängen mag, dass die Staatsquote und die Staatsverschuldung der USA in diesen Jahren noch relativ niedrig waren.

    Die USA leiteten schon 1929 eine Abkehr vom Goldstandard ein. Frankreich wollte 1721 zu einem Goldstandard zurückkehren und war dazu auch in der Lage, da verhältnismäßig ausreichend Goldvorräte im Umlauf waren.

    Anders stellte sich die Situation in Deutschland nach dem verlorenen ersten Weltkrieg dar. Das wenige Gold, das nicht dafür ausgegeben worden war, um im Winter 1919 überlebenswichtige Güter aus dem Ausland zu importieren, wurde durch Reparationszahlungen entzogen. Für eine Golddeckung der Währung fehlte schlichtweg das Gold. Daraufhin musste der Staat nach der Hyperinflation 1923 die Zentralbank rekapitalisieren, indem er Zwangshypotheken auf Liegenschaften eintragen ließ. Diese Zwangshypotheken stellten handelbare Forderungen dar und waren somit taugliche Wertpapiere für die Hinterlegung einer vertrauenswürdigen und stabilen Kredit-Währung.

    7.3.3 Ausblick

    Eine unabhängige Zentralbank hat kein demokratisches Mandat, mit der Inflationssteuer erkaufte Beihilfen zu verteilen. Sie tut es dennoch, wenn sie unbesicherte Kredite an insolvente Schuldner oder kaum solvente Schuldner vergibt oder deren Wertpapiere aufkauft, woraufhin die Schuldner selbige in Spezialgesellschaften auslagern und diese Spezialgesellschaften in Konkurs schicken.

    Verdrängungseffekte zu Lasten von Klein- und Mittelunternehmungen und ein allgemeiner Wohlstandsverlust wären die Folge.

    7.4 Währungsstützung

    Der Wert einer modernen Währung hängt wesentlich davon ab, dass sie mit eigenen Staatspapieren und somit dem künftig zu erwartenden Steueraufkommen hinterlegt wird. Daneben existieren aber weitere Methoden der Währungsstützung und Währungsabwertung.

    Geldflüsse aus dem Ausland und in das Ausland sind hierzu nützlich. 52 von 68 Zur Stärkung der eigenen Währung kann diese mit ausländischen Anlagen, insbesondere mit ausländischen Anleihen hinterlegt werden. Das bedeutet, dass ausländische Guthaben oder Wertpapiere auf der Passivseite der Zentralbank stehen und damit die Verbindlichkeiten auf der Aktivseite, die Währung, stabilisieren, und unter Umständen sogar aufwerten. Die Abhängigkeit von der Wertentwicklung dieser Anleihen ist allerdings weniger angenehm. Anleihen sinken im Wert, wenn die Zinsen für die neu ausgegebenen Anleihen des Emittenten erhöht werden. Umgekehrt steigen sie im Wert, wenn die Zinsen für die neu ausgegebenen Anleihen des Emittenten gesenkt werden.

    Insofern können zwei Fälle auftreten.

    Bei ausländischen Zinserhöhungen müssen weitere ausländische Anleihen oder andere Anlagen beschafft werden, um die im Wert gefallene Aktivseite der Zentralbank-Bilanz stabil halten zu können, oder es wird die Passiv-Seite, also das ausgegebene Geld, verknappt, indem die Zinserhöhung nachvollzogen wird. Höhere Zinsen führen zu einer verringerten Geldnachfrage.

    Besonders negativ sind ausländische Zinserhöhungen, wenn die eigene Wirtschaft im Grunde niedrigere Zinsen benötigen würde, um die Konjunktur zu stützen.

    Werden die Zinsen ausländischer Anleihen gesenkt, tritt der gegenteilige Effekt auf.

    Um den Wert der Währung stabil zu halten, muss die Geldpolitik gelockert und die Geldnachfrage angeregt werden. Dies ist nachteilig, wenn wegen hoher Inflation die eigene Wirtschaft eigentlich höhere Zinsen erfordern würde.

    Auch die Währungshinterlegung mit Gold oder anderen Reserve-Anlagen wirkt stärkend. Das Risiko besteht dabei weniger in unerwarteten ausländischen Zinsveränderungen als im Risiko einer unerwarteten marktbedingten Wertentwicklung dieser Anlagen.

    Häufig wollen Zentralbanken ihre Währungen aber gar nicht stabil halten, sondern diese bewusst auf- oder abwerten. Eine exportierende Wirtschaft ist beispielsweise an einer eher schwachen, eine auf Kapitalimport angewiesene Wirtschaft dagegen an einer eher aufwertenden Währung interessiert.

    Zur Währungsabwertung ist die Reduzierung von Fremdwährungs-Anlagen durch die Zentralbank das geeignete Instrument. Eine gleichartige Wirkung wie der Abbau von fremden Anlagen ist eine verhältnismäßig starke Ausweitung der Kreditvergabe in eigener Währung durch die Zentralbank.

    Zur Währungsaufwertung werden Fremdwährungs-Anlagen aufgebaut. Eine gleichartige Wirkung wie der Aufbau von fremden Anlagen ist eine verhältnismäßig starke Einschränkung der Kreditvergabe in eigener Währung.

    Ebenfalls einen währungsstützenden Effekt haben Mittel der finanziellen Repression: staatliche Eigentumsbeschlagnahmungen, Devisen-Zwangsbewirtschaftungen, Anbotspflicht für Preziosen zu festgesetzten Preisen, Zwangsanleihen, Einschränkung der Verwendungsfreiheit des Eigentums zu Gunsten der Sozialpflicht des Eigentums (Eigentum als bloßes Wohlverhaltens-Incentive), die Pflicht, den Staat als Erben einzusetzen usw.

    7.5 Besteuerung

    Steuern lassen sich im Wesentlichen in direkte und indirekte Steuern einteilen. Bei direkten Steuern werden vor allem die Spitzenverdiener belastet, die in gehobenen Positionen im künstlerischen, wissenschaftlichen, unternehmerischen und administrativen Bereich tätig sind. Direkte Steuern sind regelmäßig progressiv ausgestaltet, sodass höhere Einkommen höheren Beitragssätzen unterworfen werden.

    Sobald die Steuerbelastung eine gewisse Schwelle überschreitet, wird die Gestaltungsbereitschaft dieser Spitzenverdiener vermindert und der Staat erzielt weniger Steueraufkommen, als er erzielt hätte, wenn die Steuersätze nicht erhöht worden wären.

    Häufig werden daher die indirekten Steuern erhöht. Das sind insbesondere Umsatzsteuern und so genannte Sin-Taxes, also Schädlichkeits- oder Sühnesteuern (zB. CO2-Abgaben). Das führt dazu, dass die Massenkaufkraft abnimmt und durch die abnehmende Massenkaufkraft Investitions-, Experten- und gehobene Dienstleistungsgüter schwächer nachgefragt werden, was mittelfristig denselben Effekt für die vorgenannte Gruppe der Spitzenverdiener bewirkt, wie wenn das

    benötigte Steueraufkommen durch progressive Steuern von vornherein von ihnen eingehoben oder auch nicht eingehoben worden wäre.

    Abbildung: Laffer-Kurve

    Im Grunde ist die einzig realistische Handlungsmöglichkeit, um eine ausufernde Staatsverschuldung zu vermeiden also nicht die Erhöhung der Steuern, sondern die Senkung der Staatsausgaben.

    7.6 Konjunktur

    7.6.1 Allgemeines

    Eine gute Konjunktur ist Voraussetzung, um ein hohes Maß an Wohlstand, sozialem Frieden, niedriger Arbeitslosigkeit und unternehmerischem Erfolg zu gewährleisten.

    Die Konjunktur ist günstig in Abhängigkeit von: Austauschzulänglichkeit, Kreditzulänglichkeit, Nachschubzulänglichkeit und einer Austausch-, Kredit- und Nachschubzulänglichkeit stützenden Währungs- und Handelspolitik.

    7.6.2 Austauschzulänglichkeit

    Austauschzulänglichkeit setzt das Vorhandensein guten Geldes voraus.

    Gutes Geld ist gegeben, wenn der aktuelle Zins über der aktuellen Inflation liegt. Wenn die Zentralbank bei einer aufkommenden Inflation die Zinsen nicht erhöht und ihre Bilanz nicht reduziert, riskiert sie Annahme- und Halteverweigerung der Geldnutzer.

    Das entscheidende Kennzeichen der Akzeptanz des Zentralbank-Produkts Geld ist der ungestörte Umlauf des Geldes, also das Fehlen weit verbreiteter Hortungsphänomene und leerer Supermarktregale.

    7.6.3 Kreditzulänglichkeit

    Da die Wirtschaft von der Gewährung von Krediten abhängt, ist ein weiterer wichtiger Faktor für die Konjunktur, ob die Vergabe von Krediten für die Banken profitabel ist.

    Die Kreditprofitabilität der Banken hängt nicht vom positiven Kapitalzins, sondern von der Spanne zwischen kurzfristigen und langfristigen Anleihen ab (sie borgen kurzfristig und verleihen langfristig).

    Die Zentralbank kann die Kreditprofitabilität der Banken und dadurch die kurzfristige Konjunktur beeinflussen.

    7.6.4 Nachschubzulänglichkeit

    Die Nachschubzulänglichkeit hängt davon ab, dass mehr Wachstum als Inflation erwartet werden kann.

    Wenn die Inflation das Wachstum mehr als aufzehrt, werden die Lebensbedingungen laufend schlechter. Das Land verarmt. Der reale Wohlstand sinkt und die Versorgung wird zunehmend mangelhaft.

    Der Wirtschaft gehen Investitionen verloren; wer Geld hat, investiert es bevorzugt in Staatspapiere und Bankeinlagen, anstatt es dem Risiko einer ungewissen wirtschaftlichen Entwicklung auszusetzen.

    Im Szenario der Nachschubunzulänglichkeit ist die Konjunktur von fiskalischen Stützungsmaßnahmen abhängig (Staat schafft Nachfrage). Dies ist langfristig mit der Verdrängung privater Investitionen verbunden.

    Der Staat kann das Wachstum nur beschränkt beeinflussen.

    Er verfügt allerdings über gewisse Möglichkeiten der Inflationsbekämpfung.

    Die Inflationsneigung einer Volkswirtschaft ist dabei weitaus mehr als eine von Währungshütern beliebig entschiedene Stellgröße. Vielmehr ist sie ein gesamtgesellschaftliches Phänomen mit vielfältigen Ursachen.

    Wenn die Einkommen effizient verteilt wären, würde es keine Inflation über dem Wachstum geben. Jeder würde so viel konsumieren, dass keine übertriebene Nachfrage zu einer inflationären Entwicklung führen würde. In Situationen, in denen die Einkommensverteilung nicht durch Wachstum gerechtfertigt ist, entsteht häufig die Forderung, die Investitionsbereitschaft aufrecht zu erhalten, indem das fälschlich über den Markt oder auch über den Staat umverteilte Überschusseinkommen durch staatliche Interventionen rückverteilt wird.

    Inflation ist tatsächlich nicht zuletzt eine Folge zu hoher Staatsausgaben.

    Wenn der Staat unnötigerweise Aufgaben der Existenzsicherung übernimmt oder durch steuergeldfinanzierte Arbeitsplätze Versorgungsansprüchen nachkommt, dann belastet dies die Staatsausgaben, und dies führt wiederum zu Kapitalmangel und zu höherer Inflation.

    Ob der Staat Aufgaben der Existenzsicherung übernimmt oder zu übernehmen hat, hängt auch mit der Sozialstruktur der Gesellschaft zusammen.

    Die Forderung nach der Finanzierung der Arbeitslosigkeit ist in reichen Ländern, in denen das Verhältnis des Durchschnittseinkommens zum Mindesteinkommen hoch ist, tendenziell stärker ausgeprägt. In ärmeren Ländern herrscht nicht weniger Erwerbsarmut, nur weil in diesen Ländern die offiziellen Arbeitslosenzahlen niedriger sind.

    Vielfach nehmen Menschen dort nicht am formalen Arbeitsmarkt teil, indem sie in Sippen und Familien Rollen übernehmen oder in der unregulierten Schattenwirtschaft arbeiten. Arbeitslosigkeit ist daher ein Wohlstands-Phänomen, das mit entsprechenden Fürsorgesystemen einhergeht. Die Meldung und Registrierung zur Arbeitslosigkeit erfolgt, weil dafür eine Unterstützung bezogen werden kann.

    Ansonsten hängt die Inflation auch vom Grad der Industrialisierung des Landes ab. Schwerindustrie erfordert hohe Investitionen, und diese hohen Investitionen erfordern Kapital; auch das treibt die Inflation tendenziell in die Höhe.

    Eine Plattform-Ökonomie, die keine Schwerindustrie benötigt, die ständig KapitalErsatzinvestitionen erfordert, wird auch eine tendenziell niedrigere Inflation haben.

    Der zweite Faktor, der das Vorliegen einer Nachschubzulänglichkeit bestimmt, ist das Wachstum.

    Das Wachstumspotential wird durch Produktivitätsfortschritte und eine Arbeitskräftezunahme befördert.

    Produktivitätszuwächse sind in der Regel die Folge von Innovationen und von Erfindungen, also das Ergebnis vorhandener Gestaltungsbereitschaft.

    Dazu sind auch neue Arbeitsprozesse zu rechnen, die dazu führen, dass mit weniger Aufwand mehr erzeugt werden kann.

    Die Zunahme an Arbeitskräften hängt von Zuwanderung und Geburtenrate ab.

    7.7 Internationale Beziehungen

    7.7.1 Kooperationsinteressen

    Staaten sind in internationale Handelssysteme eingebunden. Sofern es ihren Interessen dient, stützen sie sich gegenseitig, sei es, indem sie den freien Verkehr von benötigten Gütern zulassen, sei es, indem sie Investitionen und Kredite und sonstige günstige Austauschverhältnisse zulassen.

    Ganz allgemein ist zu beobachten, dass stützende Auslandsbeziehungen eher dann anzunehmen sind, wenn es sich um Staaten handelt, die komplementäre Interessen aufweisen, wenn zB eine relativ junge und arbeitsbereite Bevölkerung mit wenig Kapital auf eine verhältnismäßig ältere, wohlhabendere Bevölkerung trifft. Dieses Szenario beschreibt das Verhältnis zwischen den USA und China in den Jahren 1970 bis ca. 2009; die Ergänzungsmöglichkeiten waren enorm.

    Wenn in einer zwischenstaatlichen Beziehung ein Land die Arbeitskraft und das andere das Kapital und das Know-How zur Verfügung stellt, ergeben sich daraus traditionell gute Kooperationsszenarien. Wenn derartige Synergien nicht vorliegen, können die Beziehungen zwischen Staaten sehr rasch abkühlen. Staaten, die miteinander um Arbeitskraft, Kapital und Nachfrage konkurrieren, haben weniger Motivation, rücksichtsvoll miteinander umzugehen. Auch Machtpositionen werden nicht selten zum eigenen Vorteil ausgenutzt.

    7.7.2 Wettbewerb

    Die Staaten wollen ihr Potentialwirtschaftswachstum durch Zuwanderung stimulieren. Um Arbeitskräfte anzulocken ist es nicht selten vorgekommen, dass Staaten andere Staaten destabilisiert haben, um Wanderbewegungen auszulösen.

    Staaten wollen Produkte exportieren und importieren und sie wollen, wenn sie Kapital benötigen, das andere Länder ihnen Kredit gewähren. Der oft destruktive geldpolitische Währungswettbewerb, mit dem Staaten ihre Import- bzw. Exporterfordernisse befördern möchten, ist eine bedauerliche Tatsache.

    Um exportieren und importieren zu können, werden aber auch – nicht zuletzt mit militärischen Druckmitteln unterhaltene – Handelsverträge und Handelsorganisationen eingesetzt.

    7.7.3 Internationaler Zahlungsverkehr

    Beispiel:

    Die lokale Bank des Chinesen A, der aus Kuwait Erdöl beim Scheich B bestellt hat und dieses in Dollar bezahlen soll (Kuwait akzeptiert auf Druck der USA nur die Bezahlung in Dollar) steht vor einem Dilemma. Sie hält keine Dollar-Reserven bei der FED (amerikanische Zentralbank), die sie auf das Dollar-Konto des Kuwaiter Gläubigers umbuchen lassen könnte. Was tut sie? Die chinesische Bank unterhält ein Konto bei einer US Geschäftsbank. Diese ist so freundlich, die benötigten Dollar-Reserven durch Aufnahme eines US-Zentralbankkredits zu beschaffen. Dafür verlangt sie aber neben dem Rückzahlungsversprechen der chinesischen Bank auch die sicherungsweise Überlassung von Wertpapieren. Die chinesische Bank tauscht daraufhin ihre Reserven bei der chinesischen Zentralbank in von der US-Geschäftsbank akzeptierte und bei der chinesischen ZentralBank verfügbare Staatspapiere und transferiert diese an die US-Bank, welche sie ihrerseits sicherungsweise an die US-Zentralbank überlässt. Dies stärkt den Wert des US-Dollars.

    Der Scheich B könnte nun von seiner US-Bank die Überweisung an seine Bank in Kuwait in der Landeswährung Dinar verlangen. In diesem Fall steht die USBank vor dem Dilemma: Sie hält wohl keine ausreichenden Reserven bei der Zentralbank von Kuwait und müsste eine Korrespondenzbank in Kuwait um einen Kredit in lokaler Währung gegen Transfer von akzeptablen Wertpapieren bitten. Dies würde den Dinar stärken und den US-Dollar schwächen.

    Tatsächlich hat der Scheich ein gewisses Interesse, dieses Begehren nicht zu stellen, da er auf amerikanische Rüstungsgüter und andere strategische US-Produkte angewiesen ist und nicht sicher sein kann, ob ihm diese als illoyaler BankKunde auch in Zukunft ohne Weiteres überlassen werden würden. Außerdem müsste der repatriierte Wohlstand in Kuwait investiert werden. Dies würde zur Entstehung einer antiautokratischen Mittelschicht führen. Im Endeffekt werden die globalen Handelsüberschüsse in das Bankensystem des Reserve-WährungsStaates eingespeist und tragen dort zu hoher internationaler Kaufkraft und günstigen Kreditbedingungen bei.

    7.7.4 Das Problem der Währungs-Hegemonie

    Neben der Kredit-Stärkung profitiert ein Reserve-Währungs-Inhaber auch davon, dass er Nachlauf-Effekte von Handelsdefiziten und Handelsüberschüssen ausnutzen kann, indem er die Zinspolitik (relativ niedriges oder relativ hohes Zinsumfeld) diktiert. Eine Export-Volkswirtschaft kann sich, wenn sie eine Export-Volkswirtschaft bleiben will, keine beliebig hohen Zinsen und keine beliebig starke Währung leisten. Wenn das internationale Zinsumfeld niedrig ist, muss sie selbst die Zinsen senken.

    Bei einem Handelsdefizit (Staaten mit Investitionsbedarf) müssen die kurzfristigen Zinsen nachlaufend hinaufgesetzt werden. Als Folge treten Konsumrückgang und Arbeitslosigkeit auf. Ist der Währungshegemon also in einer Gläubigerposition, kann er dafür sorgen, dass es den verschuldeten Handelspartnern an den Kragen geht, indem er die Nicht-Verlängerung von Krediten auslöst, um die gestrauchelten Unternehmen dann günstig aufzukaufen (das beschreibt in etwa das Weltwirtschaftsszenario in den 1920ern).

    Ist der Reservewährungsinhaber selbst in der Schuldnerposition, ist er in der Lage, abzuwerten und alle anderen zu zwingen mitabzuwerten. Wer zuerst abwerten kann, kann im Ausland billig auf Kredit einkaufen, im Wissen, dass er sich nicht vor der Aufwertung seiner Schulden zu fürchten braucht. Die Guthaben der ausländischen Gläubiger müssen von den ausländischen Zentralbanken abgewertet werden, indem sie die Zinsen unterhalb der Inflation festlegen.

    Es ist die Wachstums Situation, die den langfristigen Zins maßgeblich bestimmt. Ist sie gut, ist er hoch und die Geldkreditgeber verdienen – sofern die wechselkursbedingten kurzfristigen Zinsen niedrig sind – eine größere Kreditspanne. Der kurzfristige Zins wird nicht nur durch Einlagen ausländischer Handelspartner gedrückt, sondern auch durch eine zurückhaltende Lohn- und Preispolitik der Sozialpartner. Diese sind maßgebliche Treugeber. Reserve-Währungs-Inhaberschaft bringt auch in dieser Hinsicht Vorteile – für den betreffenden Staat und nicht zuletzt für dessen Finanzintermediäre.

    Früher war Gold die Reserve-Währung im internationalen Handel. Heute ist die Währung der Hegemonialmacht, der Dollar, die Reservewährung. Eine offizielle Hegemonial-Reserve-Währung benötigt eine Institution, zB Bretton Woods (Fußnote 3) , mit der Pflicht, eine Reserve-Währung als Zahlungsmittel anzunehmen und im Rahmen einer Institution Gutschriften zu akzeptieren. Eine inoffizielle Hegemonialmacht ohne Institution verwendet geopolitische Machtmittel, um ausländische Zentralbanken zu einem vorteilhaften Wechselkurs zu bewegen: Geopolitische Abhängigkeiten, drohender Abschnitt von Handelsinteressen etc.

    Verliert eine überschuldete Macht ihren Hegemonialstatus, ist dies mit weitreichenden negativen Folgen verbunden, insbesondere wenn sie hoch verschuldet ist. Ab einem gewissen Zeitpunkt gelingt es einem solchen Schuldner nicht mehr, seine Solvenzkrise als bloße Liquiditätskrise darzustellen, da nicht beständig – zumal bei abnehmendem politischen Einfluss – außergewöhnliche Umstände ins Treffen geführt werden können.

    (Fußnote 3: Als Bretton-Woods-System wird die nach dem Zweiten Weltkrieg neu geschaffene internationale Währungsordnung mit Wechselkursbandbreiten bezeichnet, die vom US-Dollar als Ankerwährung bestimmt war.)

    Bei einer zentralbankgesteuerten Kreditwirtschaft geht ein solches Ende eines Kreditzyklus häufig mit realpolitischen Abenteuern oder Katastrophen einher. Wegen der angespannten Nerven wird der Meinungskrach kritischer Stimmen dann nicht mehr gut ausgehalten, während die Schulden der Profiteure des zu Ende gehenden Kreditzyklus unauffällig sozialisiert werden.

    7.8 Präferenzen

    Die Frage, welche Branche, Anlageklasse oder Funktionsgruppe begünstigt ist, lässt sich im Wesentlichen auf vier Makrofaktoren zurückführen. Diese sind:

    Risikobewusstsein, Demographiereserve, Sparprofitabilität und Erwerbsdruck.

    7.8.1 Geschäftsindikatoren

    Risikobewusstsein

    In Zeiten, in denen hohe Gewinnmargen ausgewiesen werden und die Marktschwankungen untypisch niedrig sind, ist Vorsicht geboten. Die Marktschwankungen sind in Zeiten hoch, in denen das Kreditsystem Bewährungsproben ausgesetzt ist, und sie sind in Zeiten eines selbstzufriedenen Kreditsystems verhältnismäßig gering.

    Demographiereserve

    Ist das Durchschnittsalter einer Bevölkerung niedrig, deutet dies auf eine hohe Verfügbarkeit von Arbeitskräften hin, die um Anstellungen konkurrieren. Auch die Nachfrage nach Massenkonsumgütern wird sich dynamisch entwickeln.

    Sparprofitabilität

    Die bevorzugte Form der Geldanlage ist das Halten von nicht im Wert schwankenden Guthaben, die jederzeit verfügbar sind. Wenn diese Guthaben in einer Höhe verzinst sind, die eine Beteiligung an der wirtschaftlichen Entwicklung ermöglicht, ist von gegebener Sparprofitabilität auszugehen. Der Sparzins hat dafür zumindest das Wirtschaftswachstum und die Inflation abzudecken. Das Geld erarbeitet sich dadurch seine Kaufkraftbeteiligung im Verlauf der Zeit.

    Erwerbsdruck

    Hoher Erwerbsdruck besteht, wenn bei geringen Rücklagen hohe Arbeitslosigkeit und hohe Inflation vorherrschen.

    7.8.2 Geschäftsklassen

    Die Intermediation (Banken, Händler etc.) ist begünstigt, dh die höchsten Gewinne bleiben, wenn in Zeiten, in denen man Geld für sich arbeiten lassen kann, also bei gegebener Sparprofitabilität, ohne große Sachinvestitionen die Beteiligung an der Unternehmungslust anderer, wofür eine junge Bevölkerung nützlich ist, betrieben werden kann.

    Die Fertigung (Industriegüter, Massenverbrauchsgüter, Transport) ist bevorzugt, wenn die Sparprofitabiliät mit einer verhältnismäßig reifen Bevölkerung zusammentrifft, denn in dieser Konstellation lohnt sich die Investition in personalarme Fertigungsanlagen.

    Für Dienstleister gilt: bei vorhandener Sparprofitabiliät (teures Geld) und bei relativ junger Bevölkerung sind kapitalarme, personalintensive Branchen im Vorteil.

    Technologie (IT, Pharma etc.): Bei fehlender Sparprofitabilität und bei Demographie-Defiziten ist die kontrollierte hochpreisige Anbietung hortbarer, insbesondere urheberrechtlich geschützter Kostbarkeiten eine lukrative Geschäftsschiene.

    7.8.3 Anlageklassen

    Bei den Anlagen sind die Alltags-Anlagen, „Egalitätsanlagen“ von den profit- und risikogeneigteren Anlagen, den „Distinktionsanlagen“ zu unterscheiden.

    Alltags-Anlagen sind Währungen und Rohstoffe. Währungen lassen eine positive künftige Wert-Entwicklung erwarten, wenn hoher Erwerbsdruck mit Sparprofitabilität zusammentrifft. Rohstoffe lassen dagegen eine positive künftige Wert-Entwicklung erwarten, wenn niedriger Erwerbsdruck mit fehlender Sparprofitabilität zusammentrifft.

    Distinktions-Werte sind Aktien und Preziosen (Edelmetalle, Kunst etc.): Aktien lassen eine positive künftige Wert-Entwicklung erwarten, wenn hoher Erwerbsdruck mit mangelndem Risikobewusstsein zusammentrifft. Für Preziosen gilt das Umgekehrte.

    7.8.4 Funktionsklassen

    Intermediäre sind in Zeiten gefragt und begünstigt, in denen man nicht das Geld, sondern Menschen für sich arbeiten lassen muss (fehlende Sparprofitabilität) und sich das Kapital spekulativ verausgabt, also mangelndes Risikobewusstsein vorherrscht.

    Produzenten profitieren, wenn sich das Kapital nicht spekulativ verausgabt (Risikobewusstsein, richtige Risiko-Einschätzung, keine Blasenbildung) und sie selbst bei gegebener Sparprofitabilität risikolos Rücklagen bilden und dadurch Unabhängigkeit erwerben können.

    Der landwirtschaftliche Unternehmer

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